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„Znak pitanja“ – ein Kaffeehaus unter Kulturdenkmalschutz

Das Kaffeehaus „Znak pitanja“ (Fragezeichen) im Zentrum Belgrads genießt seit 1945 den Status eines Kulturdenkmals. Und das zu Recht: Seine Geschichte ist reich und lang und verdient es, erzählt zu werden.

Das Kaffeehaus „Znak pitanja“ (manchmal als „?“ geschrieben) wurde 1823 eröffnet. Das Gebäude selbst – eines der ältesten Bürgerhäuser Belgrads – gehörte Knez Miloš Obrenović (dem serbischen Fürsten und Anführer gegen das Osmanische Reich), und das Kaffeehaus wurde von Naum Ička geführt und geleitet. Zu dieser Zeit war das Kaffeehaus – in Reiseberichten erwähnt – als „Srpska kafana“ (Serbisches Kaffeehaus) bekannt.

Drei Jahre nach der Eröffnung übergab Knez Miloš das Restaurant an seinen Leibarzt Ećim Toma Kostić. Der Arzt war der Schwiegersohn von Naum Ička und erhielt das Haus für seinen aufopferungsvollen Einsatz während des 2. serbischen Feldzugs gegen die Osmanen (1815 – 1817).

Von Zavod za zaštitu spomenika kulture grada Beograda, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Kafana_znak_pitanja_-_Lantern.jpg

Im Jahr 1878 wurde der Name des Kaffeehauses in „Kod pastira“ („Zum Hirten“) und drei Jahre später erneut in „Kod Saborne crkve“ („Zur Kathedrale“) geändert, da sich das Haus in unmittelbarer Nähe der Kathedrale befand. Aus Rücksicht auf die Kathedrale und die Gäste, die das Café nach der Messe gerne besuchten, wurde das Rauchen im Café verboten. Diese Maßnahme war nicht sehr beliebt, aber die Zahl der Gäste ging dadurch nicht zurück. Gespielt wurde die so genannte Altstadtmusik – eine Art Kombination aus Volksmusik und populärer westlicher Musik für die städtische Bevölkerung, aber auch romantische Balladen und Sevdalinka (traditionelle bosnische Liebeslieder). Das Kaffeehaus war ein Treffpunkt für Schriftsteller, Künstler, Journalisten, Politiker und alle anderen Bürger. Hier wurde viel gesungen, getanzt und getrunken, aber auch politische Angelegenheiten besprochen, Kaufverträge abgeschlossen und über Heirat diskutiert. Jemand hat treffend gesagt: „Wenn du als Fremder die Kneipe betrittst, wirst du sie mit drei Trauzeugen verlassen.“

Schon bald kam es zum Streit mit der Kirche: Die kirchlichen Behörden empfanden es als anstößig, dass eine Kneipe das Wort „Kathedrale“ in ihrem Namen trug. Der damalige Besitzer konnte keine befriedigende Antwort finden, da es viele Meinungen der Stammgäste gab, die sich berufen fühlten, auch hierüber zu entscheiden. Auf die Frage, wie das Restaurant nun heißen würde, muss der Besitzer gesagt haben: „To je pod znakom pitanja.“ = „Das steht unter dem Fragezeichen.“ Und so ist der Name „Znak pitanja“ bis heute geblieben.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Restaurant zum Kulturdenkmal erklärt und genießt bis heute einen Kultstatus unter den traditionellen Restaurants in Belgrad. Im „Znak pitanja“ werden noch immer Altstadtmusik und Tamburizza gespielt, alte traditionelle Gerichte serviert und gelegentlich Kunstausstellungen veranstaltet. Immer voller Leben, worauf die Belgrader sehr stolz sind.

 

Text: Snežana Stefanović

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